Vom „Aufgeweckten“ zum Unbeschwerten - Was dann geschah

Im Beitrag "Weinen ist der Luxus der Kinder, die sich im Schutz einer sicheren Bindung wissen" vom 21. November schildert Stefanie Selhorst ihre Auseinandersetzung mit dem kleinen Leo. Hier nun der Bericht, was danach geschah ...

pflanzen und behüten - Urvertrauen aufbauenAm nächsten Morgen kommt Leo als erster in die Kunstwerkstatt.

Lächelnd geben wir uns die Hand: "Gestern habe ich noch nachgedacht", sage ich, "über Deinen Kehrichthaufen. Der war ja überhaupt nicht geschützt." Leos Mine verfinstert sich: "Und ich habe von Dir immer noch kein..." "Leo, ich habe mir vorgenommen, Dich zu beschützen während Du hier bei mir bist. Natürlich kann immer etwas kaputt gehen. Aus Versehen. Das kann ich nicht ausschließen. Aber ich verspreche Dir, dass ich Dich tröste, wenn es passiert. Und Du brauchst hier bei mir gar nichts hören oder sehen, wenn Du spielst. Ich pass auf Dich auf."

In den folgenden beiden Stunden ist das Kind zwar noch ein wenig wachsam. Manchmal aber schaut es statt zur Tür zu mir, um zu sehen, ob ich aufpasse. Ich nicke dem Jungen zu, und er findet zurück ins Spiel.

Das geht so ein paar Tage, und der "Aufgeweckte" verwandelt sich zunehmend in einen Unbeschwerten.

Zwischendurch kommt immer mal wieder ein kluger Satz. Einmal sagt er: "Frau Selhorst, war ich jetzt neunmalklug? Mein Papa sagt immer Herr Neunmalklug zu mir". Ich darauf: "Du warst Leo und ich kann mir kaum was besseres vorstellen als Leo! Mal klug, mal nicht klug und immer Leo.

An seinem letzten Tag in der Kunstwerkstatt zeige ich ihm ein Versteck. Dort liegt ein Tütchen mit den Maiskörnern aus dem Kehrichthaufen. "Sind das meine?", fragt er. "Ja. Und was hältst Du davon? Wir verstecken sie hier und wenn das Frühjahr kommt, bringst Du von zu Hause einen Blumentopf mit."

Natürlich, wie könnte es anders sein? Was mit den Samen in der Erde passiert, das weiß Leo schon. Wir beide werden dann das junge Pflänzchen schützen. Das ist das, was ich schon weiß.

Stefanie Selhorst
studierte Englisch und Kunst, wurde Redakteurin und dann erzog sie drei Kinder. Heute betreut sie in einem Kindergarten eine Werkstatt für 4- bis 6-jährige. Sie ist Montessori-Pädagogin, Buch-Autorin ("nur - essay zum beruf" und zusammen mit Michael Miedaner „Eltern wollen Nähe: Verteidigung einer Sehnsucht“) und betreibt einen Malort nach Arno-Stern, der sie auch ausgebildet hat.
Weitere Berichte und analysen aus dem Erziehunsalltag im Blog "Eltern wollen Nähe"

Kontakt: stefanie.selhorst(at)online.de

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