Stillen, Nähe, Geborgenheit
Foto: fuerkinder/Pukall

Gestern hat Katharina ihren kleinen Sohn entbunden. Sie will unbedingt stillen und setzt sich großem Druck aus. Doch der Kleine schläft dauernd ein, wenn sie ihn anlegen will. Der Stress für Katharina wird immer größer. Ihre Hebamme verhilft ihr schließlich zu Gelassenheit und zur Geduld mit sich selbst und mit ihrem Baby.

Sabine stillt ihre Tochter schon sechs Monate. Bald muss sie wieder arbeiten, wenn sie ihren Job behalten will, auf den sie als Alleinerziehende angewiesen ist. Also hat sie begonnen zuzufüttern, damit sie die Kleine zu einer Tagesmutter geben kann bis sie einen Krippenplatz bekommt. Das Abpumpen ist ihr zu aufwändig, aber abends will sie noch eine Weile stillen und sich ganz ihrem Baby widmen.

Vanessa hat schon nach knapp drei Monaten abgestillt. Sie traute sich nicht mehr raus, wollte in der Öffentlichkeit nicht mehr stillen. Ein paar Mal haben Menschen sie komisch angesehen und zwei haben sogar abfällig über sie gesprochen. Das war ihr peinlich. Außerdem glaubte sie, dass ihre Muttermilch nicht nahrhaft genug sei, weil ihr Baby oft schrie.

Gesundheit, Bindung und Wohlbefinden

Diese drei kleinen Beispiele zeigen, wie vielfältig die individuelle Situation junger Mütter sein kann. Alle Mütter wollen gute Mütter sein. Und nahezu alle Mütter haben oft Zweifel, ob sie es auch wirklich sind. – Deshalb ist es wichtig zu differenzieren statt verallgemeinernde (Be)Wertungen auszusprechen. Denn so individuell jedes einzelne Leben ist, so individuell sind auch die Bedürfnisse und die Möglichkeiten, (nicht nur) wenn es ums Stillen geht! Und: Ja, das war schon immer so und ist KEIN modernes Thema.

Ein Kind verändert alles. Das persönliche Leben, die Partnerschaft und manchmal auch komplett die eigene Denkweise - Ein Erfahrungsbericht

 

In Liebe wachsen - Foto: Marita Hüttner
In Liebe wachsen - Foto:
Marita Hüttner

Vor der Geburt meines Sohnes dachte ich, dass mein Leben unverändert so weiterliefe. Wie die meisten Eltern musste ich erfahren, dass dies falsch gedacht war. Durch meinen Sohn habe ich gelernt auf Dinge zu verzichten, welche mir vorher wichtig waren. Ich habe gelernt, für einen anderen Menschen Verantwortung zu übernehmen und ich habe erfahren, wie es ist, bedingungslos zu lieben.

"Ich dachte immer, es geht um das Zusammenleben im Hier und Jetzt und nicht um die Angst davor, was zukünftig vielleicht mal sein könnte?"

Jennifer Hein - entdecken und lernenIch bin seit 21 Jahren als Erzieherin tätig und habe diesen Beruf bisher mit viel Hingabe und Liebe zu den Kindern ausgeübt. Besonders wichtig war mir immer, dass die Kinder ausreichend Zeit hatten ihre eigenen Erfahrungen zu machen. Dadurch erlebte ich oft Überraschungen, weil Kinder sich die Welt mit ganz anderen Augen erschließen und ich die Möglichkeit bekam, daran teilzuhaben. Ich nahm sie ernst, fragte nach und ließ auch meine Ideen mit einfließen. Dabei konnte unsere Beziehung zueinander wachsen.

Als ich mit 20 Jahren ins Berufsleben trat, war es so, dass wir im Gruppenalltag gemeinsam unsere Zeit mit den Kindern planten. Ich hatte ausreichend Zeit für die Kinder und war offen für ihre Bedürfnisse und Wünsche. Auch waren die Eltern mit im Boot und unterstützten uns und freuten sich über ihre Kinder und das was wir miteinander erlebt haben.

Verlorene Zeit

Ich will damit nicht sagen, dass früher alles besser war, auch zu dieser Zeit gab es Probleme, die gelöst werden mussten. Wir hatten andere Voraussetzungen und Vieles von dem, kann ich in das Heute nicht übertragen. Dennoch, den Preis, der Beziehung zueinander, mussten wir nicht zahlen. Auch ich habe Fehler gemacht, die mir heute bewusst sind und habe daraus gelernt. Das ist ein großes Geschenk für mich, weil es mich unterstützt in dem, was ich tue, was mich ausmacht und mir zeigt, was an Potenzial in mir steckt.

Aus dem Brief einer österreichischen Mutter von zwei kleinen Kindern an die „für Kinder“-Redaktion:

Esther Engele„Im Oktober hat unser dreijähriger Sohn Lorenz begonnen für drei Vormittage pro Woche zur Tagesmutter zu gehen. Lorenz geht gerne und mit Freude hin und hat die Tagesmutter schnell als Vertrauensperson ins Herz geschlossen, die Eingewöhnung läuft sehr gut, er schickt mich immer früher heim... Welche Erleichterung!

Wir haben uns für einen Tagesmutter-Start entschieden, um Lorenz einen sanften Einstieg in ein Gruppenerleben vor dem verpflichtenden Kindergartenjahr zu ermöglichen. Einen abrupten Wechsel von Zuhause auf eine Kita-Gruppe mit 25 Kindern würde er nicht packen.

Da ist es mir beinahe unerträglich in so manch miterlebter Begebenheit das Leiden so vieler Kinder zu sehen, die in der Fremdbetreuung "geparkt "werden unabhängig davon, was und wie viel sie aufgrund ihres (zu) jungen Alters oder ihrer Persönlichkeit packen können.  So ein kleines Wesen, das seinen Schmerz, seinen Frust, seine Ohnmacht stundenlang hinausschreit

Szene: Intensivstation für Frühgeborene

Frühgeborenes Baby braucht die Liebe und Zuwendung der ElternDas Leben beginnt mit Schmerz, Lärm, Hektik und quälendem Licht. Der Mutter und des Vaters willkommen heißende Liebe muss ein Frühgeborenes in Form eines sehnsuchtsvollen Blickes annehmen. Das Ringen um den Erhalt der Atmung und die Stabilisierung aller Vitalfunktionen verdrängt jedes warmes Gefühl.

Wenn die Eltern dann endlich zu ihrem winzigen Baby dürfen, steht die Angst zwischen dem Inkubator und dem Elternpaar.
Für mich waren diese Momente immer besonders ergreifend, wenn ich dieser stummen, gewaltig angespannten Sehnsucht zuhören durfte.
Damals war ich selber noch nicht Mutter. Ich verstand die Dimension dieser Sehnsucht nur ansatzweise. Dennoch habe ich im Laufe der 10 Jahre meiner Berufserfahrung genau dort, am Bett der Kinder, unglaublich viel über die tiefe Verbindung zwischen Eltern und Kind gelernt.

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