Antwort: Das Freundschaftsverständnis bei Kindergartenkindern ist nicht vergleichbar mit dem in der späteren Grundschulzeit. Kinder benennen sich als Freunde, wenn sie mit jemanden gut spielen können, d.h. keinen großen Konflikte auftreten. Dann nämlich ist der andere nicht mehr der Freund. Deshalb wechseln in der Regel Freundschaften in der Vorschulzeit schnell und häufig.

Ausnahmen bilden zwei Konstellationen:

  1. Wenn besonders Krippenkinder keine Beziehung zu einer Erzieherin aufbauen können, suchen sie sich ein gleichaltriges Kind, an das es sich maximal anpasst. Häufig hat das andere Kind die gleichen Probleme, so dass diese beiden Kinder kaum ohne einander in der Krippe existieren können. Solche „Notfreundschaften“ halten oft bis ins Schulalter.
  2. Wenn Kinder untereinander jemanden finden, mit dem das Spiel meistens konfliktfrei bleibt, suchen sie auch bevorzugt den Kontakt miteinander. Das ist dann jedoch nicht so zwingend wie bei dem ersten Beispiel, d.h. sie kommen auch ohne den anderen klar.

Wenn also ein vierjähriger Junge noch keinen Freund (Spielkameraden) gefunden hat, ist das unbedenklich, weil er wahrscheinlich noch mehr Zeit braucht, um sich einem anderen Kind bewusst anzuschließen. Freundschaften entwickeln sich eher außerhalb der Institutionen, weil sich Vorschulkinder an den Kindern orientieren, die in der Nähe wohnen und die sie nach Lust und Laune aufsuchen können.

Erika Butzmann

Das wird immer behauptet, hat aber keinen entwicklungs-psycho-logischen Hintergrund.

In der frühen Sprachentwicklung sind die Eltern die wichtigsten Personen, weil sie naturgemäß am besten auf die ersten sprachlichen Äußerungen des Kindes eingehen können, d.h. diese erwidern und spiegeln im Rahmen einer sicheren Bindungsbeziehung.

Damit ist das Baby hoch motiviert, Geräusche immer wieder nachzuahmen und neue auszuprobieren. Wenn die Mutter ihr Tun mit dem Baby und dem Kleinkind häufig mit Sprache begleitet, ist die Sprachanregung für das Kind optimal. Ebenso fördert das Sprechen mit dem Vater, den Geschwistern oder den Großeltern als wichtige Bezugspersonen die Sprachentwicklung.

Mit ca. 2 Jahren sind dann die erste Zwei-Wort-Sätze vorhanden und dann ‚explodiert‘ der Sprachschatz, weil gleichzeitig das Denken einen starken Entwicklungssprung macht. Das passiert auch ohne ständigen Kontakt zu Gleichaltrigen. Da Kinder mit 2 Jahren vorrangig nebeneinander her spielen (Parallelspiel) mit wenig Bezug aufeinander, gibt es kaum eine zusätzliche Sprachanregung. Die ist nur so lange vorhanden, wie die Kinder Spaß mit einander haben und nicht in Konflikt geraten. Konflikte kommen bei unter 3jährigen durch die ichbezogene Denkweise jedoch noch häufig vor.

Erst mit dem deutlichen Interesse und der beginnenden Fähigkeit, mit anderen Kindern über längere Zeit zu spielen, profitieren sie vom gemeinsamen Spiel auch sprachlich. Denn sie versuchen mit Sprache, das Spiel zu beeinflussen und verbessern dann im Kontakt mit Gleichaltrigen ihre Sprachfähigkeit erheblich. Das ist jedoch erst mit 3 Jahren der Fall.

Kinder aus schwierigen Elternhäusern, die durch unangemessenes Elternverhalten in ihrer Sprachentwicklung behindert werden, haben in der Krippe oder bei einer Tagesmutter durchaus die Chance auf sprachliche Förderung. Ebenso kommen bei entspannten Spielsituationen der älteren Krippenkinder (2 bis 3 Jahre) durchaus fördernde Sprachgelegenheit zustande. Wenn ein Kind sich jedoch nicht wohl fühlt und eher für sich allein spielt, kann die Sprache auch nicht geübt werden.

Erika Butzmann

Wenn das ca. zweijährige Kind sich selbst erkennt und „ich“ zu sich selbst sagt, beginnt die Phase der starken Ichbezogenheit, die je nach Temperament des Kindes zu häufigen Wutanfällen führen kann. Dies geschieht immer dann, wenn das Kind an etwas gehindert wird, etwas nicht bekommt oder etwas Ungeliebtes machen soll.

In seiner ichbezogenen Denkweise kann es noch kein Verständnis für die Notwendigkeit solcher Anforderungen aufbringen, so dass es wütend werden muss. Das ist kein Drama, denn der Wutanfall ist notwendig aus zweierlei Gründen: Zum einen lernt das Kind darüber, was geht und was nicht geht, bevor es die Regeln versteht. Zum anderen haben die Wutanfälle die Funktion, dem Kind bei der mentalen Ablösung von der Mutter zu helfen. Das ist der Beginn des Selbständig-Werdens.

Damit dies ohne Belastung der Eltern-Kind-Beziehung geschehen kann, ist das Verhalten der Eltern von Bedeutung: Während des Wutanfalls sollten die Eltern das Kind in Ruhe lassen und nicht auf es einreden. Wenn der Anfall vorbei ist, kommen die meisten Kinder zu den Eltern und wollen in irgendeiner Form wieder lieb sein. Dieses Angebot des Kindes zur Wiedergutmachung sollten die Eltern ohne Bedingungen (den Vorfall nicht thematisieren) annehmen. Nur dann ist das Kind in der Lage, über den Vorfall nachzudenken und daraus sozial zu lernen, auch wenn das längere Zeit dauern kann.

Bei Krippenkindern und ganztagsbetreute Kindern kann es verstärkt zu Wutanfällen kommen. Einerseits bemühen sich diese Kinder, in der Betreuung keine negativen Gefühle zu zeigen, was anstrengend ist und in Gegenwart der Eltern dann ein Ventil sucht. Andererseits werden die oben beschriebenen Ablösungsbestrebungen mittels Dickköpfigkeit in der Fremdbetreuung nicht gezeigt, da der entwicklungsfördernde Grund entfällt.

Erika Butzmann

Frage: Ich habe ein Problem, meine Tochter, 12 Monate, auch nur eine kleine Weile allein zu lassen. Sie klammert sich an mich und lässt nicht locker. Ist das "normal"? Ändert sich das - und wann?

Antwort: Wenn das Baby oder das Kleinkind sich an der Mutter festklammert, empfindet es in diesem Moment massive Trennungs- und Verlassenheitsängste. Ist die Mutter für das Kind in den ersten zwei Jahren in solchen Fällen meistens erreichbar und kann es trösten, verlieren sich diese Ängste in dem Maße, wie sich die Bindung an die Mutter festigt.

Das Kind empfindet sich in den ersten 5 bis 6 Monaten als Einheit mit der Mutter durch die innige Verbindung während der Schwangerschaft und der Stillzeit. Es unterscheidet auch nicht zwischen sich, den anderen und seiner Umgebung. Diese Unterscheidungen lernt es in den nächsten 12 bis 18 Monaten durch seinen unbändigen Willen, seine Umgebung und die Mitmenschen zu erkunden.

Immer dann jedoch, wenn es ihm nicht besonders gut geht oder es sich über etwas Unerwartetes erschreckt, versucht es, die Einheit mit der Mutter wieder herzustellen. Wenn sie dann nicht da ist, bekommt das Kind heftige Trennungs- und Verlassenheitsängste.

In diesem Alter hat das Kind noch kein Vorstellungsgedächtnis ausgebildet. Es kann sich also noch kein inneres Bild von der Mutter in einem anderen Raum machen, wenn diese das Zimmer verlassen hat. Sie ist dann für das Baby weg aus seiner Welt. Das Kind gerät in Panik.

Erst mit der Ausbildung des Vorstellungsgedächtnisse im Alter von ungefähr 2 Jahren kann das Kind die Abwesenheit der Mutter ertragen, wenn es in dieser Zeit gut versorgt wird von den weiteren Bindungspersonen. Es erkennt sich und die anderen dann als eigenständige Personen und die Dinge als losgelöst von sich. Ist diese Erkenntnis gereift, sagt das Kind „ich“ zu sich selbst und nennt sich nicht mehr beim Vornamen.

Wenn Kinder vor dem Ich-Erkennen in die Krippe gegeben werden und Trennungsängste ein Kind deutlich belasten, resigniert es früher oder später und passt sich an, weil es sonst nicht existieren könnte.

Von Trennungs- und Verlassenheitsängsten sind nicht alle Kinder in gleich starkem Maße betroffen. Kinder, die von Geburt an sensibler und empfindlicher sind, leiden am stärksten darunter und sind durch Fremdbetreuung besonders gefährdet.

Diese Trennungs- und Verlassenheitsangst lässt sich nicht abtrainieren! Solche Versuche verstärken die Ängste. Je besser die Mutter auf diese Ängste eingehen kann, desto schneller sind sie überwunden.

Ausführlicher hier

Attachment Parenting - Nähe, Urvertrauen, BedürfnisbefriedigungDas Konzept des "Attachment Parenting (AP)" geht auf das Buch "The Baby Book" des Kinderarztes William Sears aus dem Jahr 1993 zurück. Angeregt wurden die Überlegungen von Sears durch Beobachtung von Anthropologen bei Völkern in Südamerika und Afrika, wo Kinder von ihren Müttern ständig am Körper getragen und bei Bedarf gestillt wurden.

Ähnlich wie die Bindungstheorie geht AP davon aus, dass durch die körperliche Nähe, die umgehende Befriedigung körperlicher Bedürfnisse des Babys und die sichere Bindung von Mutter und Kind eine Entwicklung zu selbstständigen und gleichzeitig empathischen Persönlichkeiten zu gewährleisten sei. Bei Sears bedeutet das: Kinder werden so lange sie wollen in Tüchern am Körper getragen und auf Verlangen jederzeit gestillt. Sie schlafen auch nachts im Bett der Eltern. Aktives "Entwöhnen" gibt es nicht. Die Kinder selbst bestimmen den Zeitpunkt.

Kritiker und Medien werfen dagegen den Anhängern der AP ein ständiges "Verwöhnen" ihrer Kinder und die Behinderung kindlicher Autonomiebestrebungen vor. Inzwischen ist in einer Reihe von wissenschaftlichen Studien der Zusammenhang von Nähe und Bindung einerseits und Persönlichkeitsentwicklung andererseits belegt. Solange aus dem "Attachment Parenting" nicht eine Art Ideologie gemacht und den Kinder "übergestülpt" wird, scheint es einen "Verwöhneffekt" nicht zu geben.

Die Kontroverse in der Öffentlichkeit konzentriert sich aktuell vor allem auf die Frage des "Stillens" - ob und wie lange (dazu s. auch hier).

Die Zeitschrift "Eltern" bietet auf ihrer Website eine ebenso verständliche wie ausführliche Diskussion zum "Attachment Parenting" an.

Homepage und Blog zum attachment parenting

Ein lang andauernde Praxis-Diskussion unter Müttern bei
www.babyforum.de/threads/496817-attachment-parenting-und-andere-neue-Trends

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